Design Thinking als Innovationsmethode: Aktuelle Trends und Entwicklungen

Design Thinking ist momentan in aller Munde, immer mehr Unternehmen und Weltmarktführer setzen auf die Methode um Innovationen und Produktideen schnell umzusetzen. Was genau sich dahinter verbirgt und wie sich das Thema in Stuttgart entwickelt, erfahrt ihr hier in unserem Blog.

Design Thinking eignet sich als Methode, um komplexe Probleme zu lösen und innovative Ideen zu gestalten. Die Methode orientiert sich an der Arbeit von Designern und vereint Elemente wie der iterative Gestaltprozess, Techniken zur disruptiven Innovation von Produkten und timebox-basierter Teamarbeit. Kern der Design Thinking Methode ist das konsequente Einbeziehen der Kundenbedürfnisse und die nutzerzentrierte Denkweise entlang der kompletten Projektphase, um ganzheitliche Lösungsansätze zu entwickeln.

Die Methode setzt an den Hemmschwellen an, die in einer Ideenfindungsphase oder in der Kreation von neuen Produkten auftreten und somit den Prozess erschweren. Häufig scheitern Projekte dann, wenn es konkret werden soll. Vor Allem in Deutschland und im Ländle ist die Angst vor dem Scheitern groß. Lieber nichts tun, als etwas Falsches, lautet hier häufig das Motto. Design Thinking fördert einen Wandel der Denkweise und stärkt den Mut zum Scheitern. Denn nur durch einen offenen Umgang mit Ideen und Herangehensweisen an Produktentwicklungen, kann langfristig eine Innovationskultur in Unternehmen geschaffen werden.

Wir haben den Experten im Bereich kreative Innovationsmethoden Dr. phil. Oliver Böpple von YOUSE gefragt, was er zum Thema Design Thinking denkt, wie weit Design Thinking bei Stuttgarter Unternehmen bereits etabliert ist und wie sich der Ansatz in Zukunft verändern wird.

Hallo Oli, weshalb hast du dich zu einer Vertiefung im Bereich Design Thinking entschieden, was fasziniert dich an dieser Innovationsmethodik?

Während meiner beruflichen Laufbahn als Digital Business Consultant, User Experience Experte oder Wissenschaftlicher Mitarbeiter ging es fast immer in irgendeiner Form um die Fragestellung, wie können wir besser werden, wie können wir neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln oder innovativ sein. Welche neuen Services kann die Deutsche Telekom zukünftig anbieten, wie gestalten wir den Wohnraum der Zukunft für ältere Menschen oder welche digitalen Vertriebs- und Kommunikationsinstrumente eignen sich für personalisierte Zielgruppenansprache in Echtzeit? Schnell war für mich klar, dass kleine, schlanke Unternehmen oder Projektvorhaben Vorteile haben und meist bessere Lösungen erarbeiten. In solchen Projekten waren wir flexibler und haben schneller hochwertige (erfolgversprechendere) Entscheidungen getroffen. Da ich persönlich ein ergebnisgetriebener Mensch bin, hatte ich für mich häufig den Anspruch in größeren Projektvorhaben trotzdem zu guten Lösungen zu gelangen. Mir war damals aus meiner Zeit als Online Consultant die „nutzerzentrierte“ Denkweise mehr als vertraut und es ging den ganzen Tag nur um das Kundenverhalten: Klicks zu erhöhen, automatisierte Werbekampagnen auf die aktuellen Verhaltensweisen der Nutzer auszurollen (z.B. Behavioral Targeting), die Webseiten möglichst personalisiert in Echtzeit an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen oder eben auch innovative neue Produkte zu gestalten. Mit dieser Geisteshaltung bin ich dann mit vielen „klassischen“ Projekten in Berührung gekommen.
Im Jahr 2009 habe ich den Ansatz des Design Thinking kennengelernt und es fiel mir wie Schuppen von den Augen, welche enormen Vorteile und Potentiale diese Arbeitsweise im Vergleich zu vielen klassischen Vorgehensweisen hat. Nämlich besser mit unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammenzuarbeiten, die Anforderungen des Kunden als Startpunkt für Lösungen zu verwenden und möglichst schnell lernen, was beim Kunden ankommt und was nicht. Das war der Startpunkt. Seitdem habe ich mein Fachwissen immer mehr mit agilen Arbeitsweisen wie User Centered Design, Design Thinking, SCRUM oder Lean Startup angereichert. Bis heute versuche ich in jedem Projekt die so genannte Kundenzentrierung anzuwenden und sehe immer noch enorm viel Potential, durch Arbeitsweisen wie Design Thinking bessere Ergebnisse zu erzielen. Am liebsten in innovativen Themenfeldern.

Welches Potential hat für dich der Standort Stuttgart und welche aktuellen Trends siehst du in der Region?

Das wirtschaftliche Potential ist in Stuttgart und Umgebung natürlich historisch gewachsen immer noch groß. Was mich hier antreibt und interessiert, ist die schwäbische Urseele des Tüftlers, des Schaffers, die Mentalität des „Was brengt des?“. Es gibt eine Menge Unternehmen, in deren DNA waschechtes Unternehmertum verankert ist. Folglich haben diese Unternehmen ein enormes Innovationspotenzial. Sprich: Ned schwätze, mache! Und genau darum geht es wiederum im Design Thinking, wir nutzen Vorteile der gestalterischen Problemlösung. Das finde ich äußerst spannend.  Wir versuchen auf nachhaltigem Weg aus dem aktuellen Mainstream und Startup Hype unsere Erfahrungen mit Innovationsarbeiten und zwölf Jahren Berliner Startup-Szene in Unternehmen zu bringen. Ziel ist es, neue Organisationsformen mitzugestalten. Das größte Potential sehe ich darin, das Innovationspotenzial des schwäbischen Tüftlers mit agilen Arbeitsweisen und Netzwerken anzureichern (wenn es denn gelingt). Das Ergebnis wäre schneller, flexibler und mit größerer Wirkkraft Innovation zu gestalten.

Was wird sich in Zukunft zum Thema Design Thinking verändern und was ist deiner Meinung nach das Wichtigste für etablierte Unternehmen, um agil und innovativ zu werden bzw. zu bleiben?

Das Thema Design Thinking wird sich weiter ausdifferenzieren und vermehrt Einzug halten in verschiedene Unternehmensbereiche und Branchen. Für mich sind es drei primäre Einsatzbereiche – Design Thinking als Managementansatz (sprich als Mind Set und Unternehmenskultur), Design Thinking als agile Arbeitsweise auf Projektebene und Design Thinking im Feld von „disruptiver“ Innovation. In Folge erleben wir aktuell eine Spezifizierung verschiedener Kernkompetenzen, eine Etablierung von Werkzeugen und Methoden hinter den einzelnen Arbeitsphasen des Design Thinking sowie die Anreicherung digitaler Arbeitswerkzeuge. Darüber hinaus wird das so genannte Coaching, worunter das Arbeiten in Kleinteams unter Anleitung von Design Thinking Experten zu verstehen ist, weiter Verbreitung finden. Subsumieren lassen sich diese Entwicklungen unter dem Begriff Designing Design Thinking – die individuelle Ausgestaltung von Design Thinking und die nachhaltige Einbettung in Organisationen. Im Stuttgarter Umfeld sind viele Unternehmen allerdings noch weit entfernt von einer agilen, nutzerzentrierten Arbeitskultur. Viele stehen gerade erst am Anfang und neben der Fähigkeit, systematisch innovativ zu sein ist das Thema Digitalisierung ein zweites großes Feld. Im Idealfall kombinieren Unternehmen beide Herausforderungen miteinander. Im denglischen Sprachgebrauch sprechen wir hier von „Digital Transformation“, „Build, Measure, Learn“, „Get out of the building“ oder „fail early, fail often“. Darin wird das Spannungsfeld deutlich, in dem wir uns bewegen. Wir erleben aktuell die zweite große „Hypephase“ von Design Thinking oder nahen Themenfeldern wie Lean Startup. Eine große Herausforderung ist darin zu sehen, dass solche Arbeitsweisen trivialisiert werden. Es geht allerdings vielmehr um die Ausbildung einer neuen Denkweise, einer neuen geistigen Grundhaltung und weniger um alten Wein in neuen, „agilen“ Schläuchen. Innovationsinitiativen oder Corporate Startup Programme mit grauhaarigen „Innovation Coaches“ und klassischen Unternehmensberatern, die agile Arbeitskultur predigen; Davon kann man Unternehmen nur abraten! Hier finden sich zum Großteil Denkweisen vor, die geprägt sind von hierarchischen, linearen Merkmalen oder nennen wir es Old Economy. Der Gegensatz zur offenen, agilen, iterativen Arbeitskultur des Design Thinkings oder Berlin Kreuzbergs. Es fehlt häufig an konkreten, eigenen (Projekt)-Erfahrungen der agilen Innovationsarbeit. In Folge dessen erleben wir immer wieder bei unseren Kunden, dass das Potential von Design Thinking nicht genutzt wird. Im Gegenteil, oftmals wird genau das Gegenteilige erreicht. Unternehmen, die ihre Softwareentwicklung von Wasserfall auf Agilität umgestellt haben, kennen diese Herausforderungen.

Und hier schließt sich für mich wiederum der Kreis zum Potenzial des schwäbischen Tüftlers, der sich vielleicht eher selber Gründer oder Jungunternehmer nennt und für nachhaltige Geschäftsmodelle steht. Darin sehe ich die größte Chance für Stuttgart und Umgebung, die Etablierung einer nennen wir es eigenen Innovationskultur, die die Stärken der schwäbischen Kultur mit denen der agilen Innovationsarbeit sinnvoll zusammenführt – und somit einen Nährboden für die Ausgestaltung wirtschaftlicher, sozialer und politischer Zukunft bildet.

Für etablierte Unternehmen insbesondere Großkonzerne wird es im Wesentlichen darum gehen, eine neue, schlanke, flexible und abteilungsübergreifende Organisationform zu gestalten. Die Stärke der eigenen Innovationskraft sowie die Fähigkeit, flexibler auf Markt- und Kundenveränderungen reagieren zu können, wird immer mehr zur Kernkompetenz erfolgreicher Unternehmen. Auf dieser Basis gestalten Unternehmen kundenzentrierte Angebote, „digitale Transformationen“, neue Produkte sowie innovative Geschäftsmodelle und sichern ihre Zukunftsfähigkeit.

Meine 92-jährige Oma Frida würde nüchtern sagen: Ha, des Design Thinking muss halt was brenge! Im Sillicon Valley würde man eher vomNext Lean Big Data Ländle 4.0“  sprechen. Und im Zweifelsfall hat meine Oma recht. Immer! In diesem Sinne: Mit gestalterischen Arbeitsweisen, die den Kunden von vornherein bei der Arbeit in den Mittelpunkt stellen, fällt es leichter, schnell zu erkennen, obs ebbes brengt oder ob ned.

Oma Frida (92), Urschwäbin: „Was brengt des Design Thinking?“

Vielen Dank Oli, für das Gespräch und die spannenden Insights!

In den Accelerate Spaces bieten wir übrigens seit kurzem auch Design Thinking Workshops mit unserem Experten und Coach Oli Böpple an. Der Fokus liegt auf der Praxis. Kleine Teams erhalten eine Problemstellung aus dem alltäglichen Leben und erarbeiten zusammen mit den Coaches Lösungsansätze. Dabei wird immer in kleinen Teams gearbeitet, damit jeder mit einbezogen werden kann. Uns ist es wichtig, dass dabei eine konkrete Anleitung vermittelt wird, wie die Methode schlussendlich ins Alltagsgeschäft integriert werden kann. Außerdem bekommt man ein Gefühl dafür, was es heißt den Kunden durchgehend in den Mittelpunkt der Problemlösungsphase zu stellen und es wird eine abteilungsübergreifende und effiziente Zusammenarbeit der Teams gefördert.

Bei Interesse an einem Design Thinking Workshop kontaktiert uns einfach unter kontakt@accelerate-stuttgart.de. Wir erstellen gerne ein unverbindliches, auf Eure Bedürfnisse angepasstes Angebot.

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Comments
  • Michael Saal
    Antworten

    Coole Oma! Recht hat se! 🙂

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