Innovation von AX Semantics: Künstliche Intelligenz für E-Commerce, Verlage und Redaktionen

Was kann die automatisierte Texterstellung aktuell leisten? Von wem und wie wird die innovative Technologie eingesetzt und welche Vorteile bietet sie Unternehmen, sowie Verlagen und Redaktionen? Wir haben uns mit dem Team von AX Semantics über genau diese Fragestellungen unterhalten. AX Semantics ist eines der führenden Unternehmen im Bereich automatisierter Textgenerierung (Natural Language Generation, NGL) weltweit.

Die automatisierte Texterstellung kann für E-Commerce Unternehmen ein mächtiges Werkzeug darstellen. Wenn beispielsweise große Online Möbel- oder Fashionhändler Produktbeschreibungstexte benötigen, fallen dafür üblicherweise viele Arbeitsstunden für das Texten an. Eine Software für automatisierte Texterstellung kann diese Aufgabe problemlos in wenigen Tagen übernehmen. So können Kosten und Ressourcen gespart werden. Für Nachrichtendienste bietet die automatisierte Texterstellung etliche Möglichkeiten für die Erstellung von Kurznachrichten. So können beispielsweise Wetterberichte, Finanzberichte, Sportnachrichten oder Polizeiberichte sehr effizient automatisch erstellt werden. Dadurch werden Redakteure entlastet und können mehr Zeit für tiefgründige Recherchen aufbringen, die Voraussetzung für hochwertigen, investigativen Journalismus. So kann die Qualität aller Publikationen erhalten oder gar verbessert werden.

Doch wie schafft es ein Computer Texte zu schreiben, die für die Leser, wie von „Menschen geschrieben“ klingen? Die Lösung sind intelligente selbstlernende Tools, wie beispielsweise die Software von AX Semantics. Der Schlüssel für die Erlernung der Texterstellung liegt, wie der Name der Software bereits verkündet, in der Semantik. Die Semantik gilt als Teilgebiet der Linguistik und befasst sich mit der Bedeutung sprachlicher Zeichen und Zeichenfolgen. Zeichen sind in diesem Fall Wörter oder auch Phrasen. Ganz vereinfacht gesagt heißt das, man bringt dem Computer bei, welche Bedeutung bestimmte Wörter und Phrasen für Menschen haben. Mit der Software kann der Computer dann die Worte beschreiben und weiß wie sie sinnvoll und angemessen in einem Text verwenden werden. Der Einsatz bietet sich dann vor allem für Texte an, bei denen die Leser eine objektive Beschreibung eines Sachverhalts erwarten. Philipp Renger von AX Semantics erklärt uns, was hinter der Software steckt und welche Perspektiven sie für E-Commerce Unternehmen, sowie Journalisten bereit hält.

Seit 2014 agiert AX Semantics als webbasierte Software Plattform zur automatisierten Texterstellung auf dem Markt. Wie funktioniert die Software und wie hat sie sich in den letzten Jahren weiterentwickelt?

Was die Weiterentwicklung angeht, so ist es schwer in Worte zu fassen. AX Semantics untersteht dem ständigen Wandel und der Weiterentwicklung. Zwei Schlüsselentwicklungen lassen sich aber herausstellen:

  • Das Ausrollen der Software als Webapplikation, sowie die Fokussierung auf das SaaS Modell, das die aktuell stattfinde Skalierung überhaupt erst ermöglicht hat.
  • Die Entwicklung der Konfigurationssprache ATML3 (Automated Text Markup Language) und die damit einhergehende Öffnung des Systems für den Kunden war essenziell, um eine hohe Kundenzufriedenheit und zügiges Wachstum gewährleisten zu können. Dadurch haben wir die Skalierung vom Headcount entkoppelt.

Die Software funktioniert vereinfacht gesagt folgendermaßen: Es bestehen zwei Ausgangspunkte – den wohl strukturierten Datensatz auf der einen – und den kundenindividuellen Idealoutput auf der anderen Seite. Dazwischen befinden sich zahlreiche Ebenen, die für die Dateninterpretation und Sprachgenerierung verantwortlich sind. Der Kunde liefert also z.B. via API Daten und füttert die Software mit einem so genannten Urtext. Der Urtext wird dann über ATML mit Attributen, Grammatik, Synonymen, Formulierungsvarianten etc. versehen und mit dem Dateninput verdrahtet. Im Anschluss ist die Software in der Lage anhand eines neuen Dateninputs innerhalb von Millisekunden, je nach Setup, einen Text in aktuell bis zu 14 Sprachen zu generieren. Selbst wenn aus einem Datensatz 1000 Texte generiert werden, gibt es keinen Duplicate Content, dennoch ähneln sich die Texte inhaltlich in ihrer Aussage.

Bereits vor etwa zwei Jahren war der so genannten „Roboterjournalismus“ in aller Munde und das öffentliche Interesse um den womöglich bald aussterbenden Journalisten war groß. 2016 werden automatisierte Texte bereits von einigen traditionsreichen deutschen Medienunternehmen eingesetzt. Wie seht Ihr die Zukunft der Publishingbranche?

Die Publishingbranche kämpft seit Jahren mit rückläufigen Auflagen, die Arbeitslosenzahlen unter Journalisten und Redakteuren sind in den letzten Jahren exorbitant gestiegen und dabei steigt der wirtschaftliche Druck auf eben diese Berufsgruppen. Gleichzeitig stecken beim Thema Digitalisierung die meisten Verlage entweder noch in den Kinderschuhen oder sie befinden sich in einer Sackgasse. Die Selbstdarstellung der Verlage lässt jedoch etwas anderes verheißen – es sei alles nicht so dramatisch ist z. B. der Tenor auf den Münchner Medientagen. Parallel dazu legen Medienhäuser Redaktionen unterschiedlicher Blätter zusammen. Vor kurzem in Berlin (Berliner Zeitung & Berliner Kurier) und vor längerem auch in Stuttgart (Stuttgarter Nachrichten & Stuttgarter Zeitung) zu sehen. Unter dem Hintergrund eines florierenden Geschäfts wurden diese Entscheidungen sicher nicht getroffen. Dabei wird Roboterjournalismus hier nach wie vor eher ungläubig belächelt. Nur zum Kontrast: In den USA investieren die Verlagshäuser kräftig in NLG Technologien und stellen mittlerweile mehr Entwickler als Redakteure ein. Ganz klar ist, dass sich Journalisten und Redakteure neue Fähigkeiten aneignen müssen. Der „Roboterjournalismus“ ist an dieser Stelle weder die einzige Bedrohung, noch ist er der heilige Gral um den Journalismus zu retten. Er bietet jedoch Perspektiven für neue Geschäftsmodelle.

Für welche Art von Texten wird Eure Software aktuell am häufigsten eingesetzt?

80% der von AX Semantics generierten Texte werden aktuell im E-Commerce Kontext eingesetzt: von großen Online Möbel- und Fashionhändlern über Vollsortimenter, bis hin zu kleinen Nischenhändlern für Reifen oder Fliesen. Die Software löst zahlreiche Probleme, angefangen von fehlenden Produkttexten aufgrund fehlender Ressourcen über Duplicate Content bis hin zur Personalisierung. Der ROI stellt ich in der Regel schon nach wenigen Wochen ein. Zusätzlich lässt sich das Thema Mehrsprachigkeit im Rahmen der Internationalisierung mithilfe von AX Semantics schneller und effizienter realisieren.

Welche Perspektiven bietet Eure Software Content-Marketeers, wie kann ein Content Marketeer am besten mit Eurer Software arbeiten und wie kann er dabei seine eigene Note in die Texte einbringen?

Zweiteres ist schnell erklärt: Da der Marketeer die Software selbst trainiert, bringt er automatisch seine eigene Note mit ein. Er selbst definiert, welche Tonalität die Texte haben, ob eine formelle oder informelle Ansprache gewünscht ist, welche Adjektive, Verben, Synonyme und Satzkonstrukte bevorzugt verwendet werden sollen. Der Kunde hat also die volle Kontrolle über die Art und Tonalität der generierten Texte und kann diese jederzeit an sich verändernde Ansprüche anpassen. Durch den Einsatz von AX Semantics ist Content auf einmal skalierbar, da die Erstellung nicht mehr nur ausschließlich an Texter-Kapazitäten gebunden ist. Ein Marketeer kann somit umdenken, da es nicht mehr darum geht „blind“ den vermutlich besten Text für Kunden XY zu formulieren, sondern vielmehr darum durch die nun vorhandenen Möglichkeiten wie AB Testings, deren Performanceanalyse und der anschließenden automatischen Auswertung durch AX Semantics den optimalen Textkorpus anhand von KPIs zu ermitteln. In Zukunft werden Content-Marketeers noch stärker datengetrieben arbeiten und sich intensiver an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren. Sie können beispielsweise Produktdaten mit CRM-Daten kombinierten und so personalisierte Produktbeschreibungen, Werbebotschaften oder Newsletter produzieren.

Wie wird sich die automatisierte Texterstellung in Zukunft entwickeln?

Kompontenten aus dem Machine Learning der Künstlichen Intelligenz machen bestehende Systeme immer intelligenter und verbessern sich dadurch kontinuierlich selbst. Dies hat primär zwei Auswirkungen.

  • Die „Time-to-Text“ Zeit, d.h. der Arbeitsaufwand, der in die Erstellung eines Projektes gesteckt werden muss, bis erste Texte generiert werden können, wird sich stark verkürzen.
  • Die generierten Inhalte werden variantenreicher, branchen- und zielgruppenspezifischer, was die Qualität der Texte zusätzlich erhöht.

Hinzu kommt, dass die automatisierte Texterstellung in Zukunft stark vom immer noch anhaltenden Big-Data-Trend profitieren wird. Viele Unternehmen, ja sogar ganze Branchen sind hier erst am Anfang.

Ist es bereits möglich komplexe und emotionale Texte automatisch zu erstellen?

Komplexität und Emotionalität stellen keine wirklichen Hindernisse mehr dar. Emotionalität kann man der Software im Rahmen des Setups beibringen. Und Komplexität ist – wie so oft – auch bei der Textautomatisierung eine Frage des Aufwands und vor allem der Qualität und Quantität der Daten. Natürlich kann ich aus zehn Datenpunkten nur bedingt eine ganze Seite Text generieren. Mit den Daten einer BWA (Betriebswirtschaftlichen Auswertung) hingegen können wir ausführliche und durchaus komplexe Texte generieren.

In welchen Ländern wird Eure Software eingesetzt und was ist momentan der stärkste Markt?

Unsere Software wird aktuell primär auf dem westeuropäischen Markt, aber auch in China und Südamerika eingesetzt. Der osteuropäische Markt und die skandinavischen Staaten sind stark im kommen. Der stärkste Markt ist für uns naturgemäß der DACH Markt. Nicht nur, weil wir ein deutsches Startup sind sondern auch, weil deutsche Unternehmen große Player im europäischen Markt darstellen.

Was sind Eure Ziele und Herausforderungen für das kommende Jahr?

Wachstum, Wachstum, Wachstum. Wir werden unser Sprachportfolio im Laufe des nächsten Jahres deutlich erweitern und somit auch weitere internationale Märkte erschließen. Unsere Nutzer werden in den Genuss zahlreicher neuer Features kommen. Unsere größte Herausforderung liegt im Vertrieb und ist zum Glück ein Luxusproblem: Um die hohe Anzahl an Leads abarbeiten zu können, werden wir unsere Salesforce aufstocken und unser Partnernetzwerk weiter ausbauen. All dies lässt uns der Realisierung unserer Vision „Text Generation for Everyone“ ein Stück näher kommen.

Vielen Dank Philipp für die Einblicke in die Welt der automatisierten Texterstellung. Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und sind gespannt, wie die Entwicklung Eurer Software weiter gehen wird. Alles Gute weiterhin!

Wenn Ihr mehr über AX Semantics erfahren wollt schaut auf ihrer Webseite vorbei, dort erfahrt ihr noch mal alles über die Software. Weitere Infos zur Digitalisierung der Publishingbranche gibt es auch auf dem Blog von AX Semantics.

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