Growth Hacking: Wachstum statt Marketing?

Growth Hacking: Wachstum statt Marketing?

Eine Antwort auf diese Frage geben wir Euch in unserem Blog. In einem spannenden Interview erklärt Michal Jirasek, Gründer von Founderscope und Erfinder des Startup Toolkit, wie er den Begriff einschätzt.

Growth Hacking gilt als Methode für schnelles Wachstum mit wenigen Mitteln. Der Begriff wurde maßgeblich von Sean Ellis geprägt, der einen Growth Hacker wie folgt definiert:  Jemanden, der auf Wachstum eingenordet ist – Alles was er unternimmt wird genau auf die möglichen Auswirkungen auf ein skalierbares Wachstum hin untersucht. Mit anderen Worten heißt das; für den Growth Hacker zählt einzig und allein das Wachstum des Unternehmens, alle anderen Unternehmensziele sind sekundär oder irrelevant. Mit Kreativität, Neugier und analytischem Denken werden neue, simple Wege gesucht, um den Umsatz zu steigern. Dadurch entstehen neue Ansätze (sogenannten Hacks), die sich vom klassischen Marketing unterscheiden.

Wir haben uns mit Michal Jirasek, Entwickler des Gamified Startup Toolkit und Gründer von Founderscope, über das aktuelle Trendthema Growth Hacking unterhalten. Michal teilt mit Euch seine Ansicht zum Thema Growth Hacking und erklärt, weshalb sogenannte Growth Hacks für die Optimierung der Wachstumsmechanik eines Unternehmens eine bedeutende Rolle spielen.

Hallo Michal, wie verstehst du den Begriff Growth Hacking und weshalb kann Growth Hacking für Startups eine sinnvolle Methode sein, um Wachstums zu generieren?

Ich verstehe Growth Hacking als kreatives Experimentieren mit dem Ziel die Leistung des Wachstumsmotors (Growth Engine) einer Firma messbar zu steigern. Das Wachstum wird dabei nicht nur durch Ausbau neuer Marketing Kanäle generiert, sondern vielmehr durch die in Produkte und Angebote eingebaute Viralität gesteigert. Die vom Team vorgeschlagenen Hacks werden nach erwarteter Wirkung priorisiert und umgesetzt. Die Wirkung der Hacks wird gemessen und neue Erkenntnisse (Lessons Learned) werden gesammelt. So lernt das Team systematisch was funktioniert hat und nutzt das Wissen um den Wachstumsmotor weiter zu verbessern. Der Fokus auf Viralität führt dazu, dass viele Growth Hacks budgetschonend sind. Für die Startups ist dies besonders wichtig, weil sie ihre knappen Ressourcen effektiv nutzen müssen um ihre Wachstumsannahmen schnellstmöglich in funktionierende Wachstumsmotoren umzuwandeln.

Du hast 2013 das Gamified Startup Toolkit entwickelt. Wie bist du dazu gekommen und weshalb ist es dir wichtig, Startups in ihrer Entwicklungsphase zu unterstützen?

Als ich nach meinem BWL Studium 2009 gemerkt habe, dass ich selber ein Startup aufbauen möchte anstatt in einem gut bezahlten Job zu arbeiten und danach auch schnell erlebt habe wie schwer es ist, mit einem Startup erfolgreich zu werden, hab ich mich mit dem Thema „Entwicklung von Startups“ intensiv auseinandergesetzt. Ich fand viele interessante Ansätze wie Business Model Generation, Design Thinking, Lean Startup, Customer Development, Agiles Projekt Management und andere. Ich habe verstanden, dass ein erfolgreicher Gründer zu sein nichts ist, was angeborenes ist, es ist erlernbar. Was ich aber auch gesehen habe ist, dass die Theorie nicht ganz so einfach in die Praxis umzusetzen war und dass die einzelnen Ansätze nur ein Teil des Themas „Startup-Entwicklung“ behandeln. Gamified Startup ist ein Ansatz der diese Methoden vereint und viel einfacher anwendbar macht.

Wie lässt sich die Methode Gamified Startup Toolkit mit Growth Hacking in Verbindung bringen?

Growth Hacking bildet den Kern des Toolkits. Die Hauptmodelle des Toolkits sind die Growth Funnel Boards – Tools zur Visualisierung des Wachstumsmotors. Sie helfen die Wachstumsannahmen grafisch darzustellen, die Growth Hacks zu priorisieren und ihre Wirkung zu messen. Obwohl Tools zu Produktentwicklung, Market Research und Business Model Design im Toolkit enthalten sind, liegt der Fokus auf Design und Hacking des Wachstumsmotors.

Seit 2013 hat sich einiges getan und mittlerweile sind die Methoden und Frameworks, die sich aus erfolgreichen Startups, Acceleratoren und Ökosysteme entwickelt haben, sehr ausgereift. Wie hat sich das Gamified Startup Toolkit seither weiterentwickelt und was hast du in den letzten drei Jahren der Anwendung des Toolkits gelernt?

Auch das Gamified Startup Toolkit hat sich rasant weiterentwickelt, nicht zuletzt wegen der täglichen Arbeit damit in vielzähligen Projekten die ich mitbetreut habe und noch betreue. Wir haben versucht jede Barriere die uns bei Projektentwicklung im Wege stand durch ein neues Tool wiederholbar und projektübergreifend zu beheben. Unzählige Iterationen sind in die einzelnen Tools eingeflossen mit dem Ziel, die Nutzung zu vereinfachen und gleichzeitig die Wirkung zu steigern. Das Toolkit funktioniert heute besser denn je. Ich habe gelernt, dass es mit Abstand der Wachstumsmotor ist, auf den es ankommt. Ein Team sollte ihn vom ersten Tag systematisch designen, messen und anpassen. Startups scheitern nicht weil sie es nicht schaffen ihr Produkt auf den Markt zu bringen, sondern weil der Wachstumsmotor nicht richtig funktioniert.

Wie unterscheidet sich dein Gamified Startup Toolkit von anderen Lean Startup Methoden?

Durch die Ganzheitlichkeit, Visualität und den Fokus auf Action. Ich kenne keine Methodik die den gesamten Startup-Entwicklungsprozess abbildet und es gleichzeitig so einfach macht die richtigen Schritte abzuleiten. Die meisten Methoden sind zwar sehr einfach anwendbar, machen es jedoch nicht möglich ohne weiteres die richtigen nächsten Schritte zu definieren. Andere sind viel zu theoretisch und daher schwer im Team anwendbar.

Weshalb ist es deiner Einschätzung nach wichtig und sinnvoll, dass große Corporates ebenfalls Lean Startup Methoden anwenden?

Weil Corporates auch skalierbare Innovation betreiben müssen, um in naher Zukunft nicht ins Hintertreffen zu geraten. Jedes Projekt, das innovativ ist und gleichzeitig schnell wachsen soll, ist im Grunde ein Startup. Lean Startup stellt aktuell die führende Methodik für die Entwicklung von Startup Projekten dar. Viele Corporates haben das bereits erkannt und wenden Lean Startup an, was auch zum Begriff Lean Enterprise geführt hat. Die Herausforderung gab es dann bei der effektiven Anwendung. Gamified Startup Toolkit macht Lean Startup einfach und effektiv auch in Corporate Teams anwendbar.

Welche aktuellen Trends werden die Weiterentwicklung deiner Methode in Zukunft beeinflussen?

Die Methodik steht auf Prinzipien und nicht auf Trends. Die Prinzipien galten vor hundert Jahren und gelten heute immer noch. Einmal erlernt, immer wieder anwendbar. Was sich ändert ist der Inhalt (wie beispielsweise neue Trends oder neue Technologien) die in die Methodik einfließen. Je besser man sich mit den Trends auskennt, desto besser kann man sie mit Hilfe der Methodik verwerten. Wir werden die Methodik natürlich weiterentwickeln, optimieren und die Anwendung durch immer besser Softwareunterstützung einfacher machen. Erwarten jedoch nicht, dass sich an den Grundsätzen der Methodik durch neue Trends etwas ändern wird.

Vielen Dank Michal, für die spannende Einblicke und deine Einschätzung zum Thema Growth Hacking.

In den Accelerate Spaces findet vom 01. bis 02. Dezember ein Growth Hacking Workshop statt, der auf dem von Michal entwickelten Startup Toolkit basiert.

Der Growth Hacking Workshop ist eine Erweiterung des Weiterbildungsprogramms Gamified Startup Practicioner Workshop, dessen letzte Runde im September 2016 stattgefunden hat. Im Workshop lernt ihr auf visuelle und strukturierte Art neue Wachstumsansätze für Euer Startup oder Unternehmen zu entwerfen. Ihr werdet in der Lage sein, all die möglichen Stellschrauben zu finden, die das Wachstum eines Projektes bremsen und neue Ideen (Growth Hacks) entwickeln, die das Wachstum beschleunigen werden. Michal Jirasek wird den Workshop leiten.

Wenn ihr Euch für das Thema interessiert oder Ihr Eure aktuell laufenden Projekte schneller vorantreiben wollt, meldet Euch an!
Hier findet ihr alle Informationen zum Ablauf und zu den Inhalten des Workshops.

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