Startup der Woche: nFrames und ihre Software zur Umwandlung von Luftbildern in 3D Modelle

Startup der Woche: nFrames und ihre Software zur Umwandlung von Luftbildern in 3D Modelle

nFrames ist unser Stuttgarter Startup der Woche. Co-Founder Konrad Wenzel und sein Team haben eine spannende Software zur Umwandlung von Luftbildern in 3D Modelle entwickelt und lösen für ihre Kunden ein echtes Problem. Ihr möchtet mehr über nFrames erfahren? Dann lest die Startup-Story hier in unserem Blog.

Hallo Konrad, was genau macht nFrames? Wie würdest du Euer Produkt jemandem erklären, der wenig technisches Hintergrundwissen besitzt?
Unser Produkt SURE ist eine Software, die automatisch 3D Oberflächen aus Bildern extrahieren kann. Wir nutzen dabei den stereoskopischen Effekt – ähnlich wie bei den Augen, kann man durch zwei Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln Tiefe extrahieren, da nahe Objekte zwischen den Bildern stärker verschoben sind. Diese Verschiebung kann man gut beobachten, wenn man die Hand vor das Gesicht hält und die Augen abwechselnd schließt. Unsere Software bestimmt diese Verschiebung und damit die Tiefe für jedes einzelne Pixel– und zwar nicht nur für zwei, sondern für beliebig viele und beliebig große Bilder simultan.

Welche Anwendungsfälle sind für eure Kunden derzeit am interessantesten? Kannst du uns dazu etwas mehr erzählen?
Prinzipiell ist die Software für alle Arten von Bildern einsetzbar – vom Handyphoto bis zum Satellitenbild, da sie beliebig große Bildmengen auf ganz normalen Rechnern verarbeiten kann. Das Spektrum von möglichen Anwendungen ist groß, im Bereich von handelsüblichen Kameras wird sie beispielsweise häufig im Bereich Baudokumentation, Denkmalpflege oder Archäologie eingesetzt. Unser Fokus liegt jedoch auf Photogrammetrie, der professionellen Verarbeitung von Bildern für Messzwecke, und dabei insbesondere der Verarbeitung von großen Luftbildern. Die hohe Genauigkeit und die Skalierbarkeit auf große Datenmengen ermöglicht die automatische Berechnung von präzisen 3D Landschafts- und Stadtmodellen. Unsere Kunden in diesem Bereich sind Unternehmen, die Photogrammetrie mit eigenen Flugzeugen und Kameras betreiben, aber auch Länder und Städte, die dreidimensionale Daten für verschiedenste Anwendungen wie Änderungsanalyse, Baumwachstum, Hochwassersimulation, Gletscherabschmelzung oder Tourismus benötigen. Derzeit nutzen beispielsweise bereits 6 der 16 Bundesländer unsere Software für ihre landesweite Datenberechnung. Im Bereich Forstwirtschaft haben wir vor allem Kunden in Deutschland, Skandinavien und Kanada. Weltweit wird die Software für die dreidimensionale Berechnung von Städten eingesetzt, beispielsweise in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), bei dem in der Türkei 850 Städte mit über 350.000 Luftbildern bzw. über 2 Petabyte Datenaufkommen auf einem großen nationalen Rechenzentrum in Ankara verarbeitet werden.

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Bisher seid ihr ja ein eher kleines Team. Ist die Entwicklung eines so hoch technologischen Produktes dadurch nicht eine beträchtliche Herausforderung?
Das ist definitiv eine Herausforderung, ein kleines Team mit sehr guten und motivierten Leuten ist jedoch auch agiler. Das ist gerade für Innovation wichtig, sowohl technologisch als auch unternehmerisch. Diese Agilität versuchen wir mit schlanken Prozessen und guter Priorisierung zu erhalten – auch jetzt, wo das Team generisch auf 10 Mitglieder angewachsen ist. Wir durften außerdem in der Gründungsphase viel Unterstützung erleben – zu Beginn durch die TTI GmbH, den Inkubator der Uni Stuttgart, unser Ursprungsinstitut, das Institut für Photogrammetrie der Uni Stuttgart, der bwcon mit der Vermittlung eines geförderten Management-Coachings, einen Coach, der uns fast seit Beginn der Unternehmensgründung eng begleitet sowie Berater und Juristen für spezifische Themen.  Wir arbeiten weiterhin sehr dicht mit Instituten aus der Wissenschaft zusammen, eine wichtige Basis für die technologische Weiterentwicklung. Am meisten lernen wir von unseren Kunden. Die schätzen, dass wir unser Produkt nach ihren Anforderungen weiterentwickeln und uns dafür mit Ideen, Beta-Testing und vor allem durch Empfehlungen unterstützen.

Wenn du nFrames nochmals gründen würdest, welche Entscheidung würdest du auf jeden Fall wieder so treffen und was würdest du anders machen?
Ich würde auf jeden Fall wieder versuchen, das Unternehmen ohne Investoren generisch aus Umsätzen zu finanzieren. Das ist nicht in jedem Fall möglich. Bei uns war es das, da wir unsere Vorarbeiten aus der Uni über einen IP Kauf nutzen und uns selbst mit einer Teilzeitstelle finanzieren konnten. Heute schätzen wir die freien Entscheidungsprozesse und vor allem das einheitliche Ziel, was daraus besteht, technologisch an der Spitze zu sein und eine gute Unternehmenskultur aufzubauen. Durch die einfache Gesellschafterstruktur können riskantere Entscheidungen schnell getroffen werden – das ist gut für konstante Innovation. Ich würde auch wieder so früh wie möglich in die lokale Vernetzung investieren, idealerweise auch mit erfolgreichen ähnlichen Startups in der Region. So sind wir beispielsweise früh auf einen ganz wichtigen Punkt gekommen: Coaching. Das hat uns vor allem beim konstanten Reflektieren und Lernen geholfen. Ich würde auch wieder über einen Inkubator oder Accelerator beginnen, um die administrativen und juristischen Overheads bis zur Validierung des Konzeptes und des Teams gering zu halten. Das gilt auch für die Gesellschaftsform. In der ersten Phase ist aus meiner Sicht eine Kapitalgesellschaft eher hinderlich. Sie kostet viel Aufwand und Zeit, wenn man es richtig machen will, und das zu einem sehr wichtigen Zeitpunkt. Ein einfaches Gewerbe für eine Personengesellschaft ist deutlich einfacher gelöst und bis zur eigentlichen Gründung ist dann klarer, ob und wie sich alle langfristig für das Team einsetzen. Bei der Gründung würde ich vor allem sicherstellen, dass alle Gesellschafter die gleichen mittel- und langfristigen Ziele verfolgen, sowohl persönlich als auch für das Unternehmen. Was ich auf jeden Fall anders machen würde, ist früher mehr in gutes Marketing zu investieren. Alles steht und fällt mit einer guten Kommunikation und hohen Präsenz im Markt. Zusammengefasst würde ich vieles gleich machen, vor allem die Dinge, bei denen wir von externer Erfahrung profitieren durften. Für die Fehler, die wir gemacht haben, sind wir auch dankbar, sie waren die besten Lehrmeister.

Herzlichen Dank Konrad für diese spannenden Antworten und den Einblick hinter die Kulissen. Und vor allem weiterhin viel Erfolg mit nFrames!

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