Startup Fieber am Bosporus – Mein Besuch beim Startup Weekend MENA in Istanbul

Das Team des Startup Weekend MENA hatte Großes vor: Ein Startup Weekend unter der Woche! Zusätzlich wurde mit dem Fokus auf die MENA-Region erstmalig ein Startup Weekend in Istanbul speziell für Startup-Begeisterte aus dem mittleren Osten und Nordafrika angeboten. Das Event läutete den Auftakt der Gründerwoche in Istanbul ein.

Los ging es am Mittwoch, 30.09.15, im Atölye Istanbul. Der brandneue Coworking Space stand zu diesem Zeitpunkt noch vor der Eröffnung – wir durften ihn schon nutzen. Das Atölye ist eine beeindruckende Location. Das Raumkonzept ist innovativ und sehr offen gestaltet und man kann sich gut vorstellen, dass der Space zukünftig ein Hotspot für Startups und Selbständige innerhalb der 14 Millionen Einwohner Stadt werden wird. Auch Facilitator Patrick Bosteels, ursprünglich aus Belgien und mittlerweile seit einigen Jahren wohnhaft in der Türkei, ist der Überzeugung, dass das Atölye „zukünftig der coolste Ort für Startups in Istanbul sein wird.“

Atölye zugeschnitten

Coworking Space Atölye Istanbul: neuer Hotspot für Startups

Durch das neuartige Konzept und die kurze Vorlaufzeit in der Organisation war die Teilnehmerzahl des Startup Weekend MENA leider relativ gering. Auch sollten schon zum Auftakt einige Vertreter von Techstars, u. a. Brett Nakatsu, mit dabei sein. Der berüchtigte Verkehr in Istanbul hat den Jungs aber leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nichtsdestotrotz war die Stimmung von Anfang an großartig und wir hatten schon eine Ahnung, dass wir in den nächsten Stunden viel lernen und außergewöhnliche Erfahrungen machen werden. Ein typisches Startup Weekend eben.

Nach den Pitches der Geschäftsideen formierten sich die Teams und los ging es am Donnerstag, 01.10.15, in bekannter „No talk all action“ Manier. Wir hatten nun 48 Stunden, um die jeweilige Geschäftsidee möglichst überzeugend auszuarbeiten. Mein Team bestand neben mir aus zwei jungen Marokkanern und einem Schweden. Wir arbeiteten an einer äußerst spannenden Geschäftsidee, die aus einem konkreten Alltagsproblem entstanden ist. Hamid und Abdellah aus Marokko stellten bei den Auftakt-Pitches die Idee vor, erschwingliche Gruppenreisen für junge Menschen aus der arabischen Welt nach Istanbul anzubieten. Sie berichteten, dass junge arabische Menschen vermehrt reisen und andere Länder besuchen möchten, es bisher aber kein passendes Angebot für ihre Bedürfnisse gibt. Vor allem Istanbul sei extrem beliebt, es fehle aber an passenden Reiseangeboten. Hamid und Abdellah haben uns die Gelegenheit gegeben, einen interessanten Einblick in den Alltag und die Lebenswelt junger arabischer Menschen zu bekommen. Sie reisen sehr gerne, legen aber einen hohen Wert auf ein Gefühl der Sicherheit während der Reise. Dies unterscheidet sie von Europäern, die weniger Bedenken haben, Individualreisen zu buchen. Zusätzlich gibt es aktuell kaum Buchungsportale für Flüge und Unterkünfte in arabischer Sprache. Die Geschäftsidee „Rehla“ (Arabisch für „Reisen“) war geboren. Preislich sollte sich das Angebot an die Kaufkraft junger, aufstrebender arabischer Menschen richten, wie beispielsweise Studenten. Zusammen mit dem Schweden Christian, der das Team durch seine langjährige Berufserfahrung im wirtschaftlichen Bereich bereicherte, waren wir gut aufgestellt.

Facilitator Patrick gab uns zu Beginn eine kurze Input-Session zum Thema „Lean Startup“. Danach starteten wir damit, die Grundzüge unseres Geschäftsmodells über ein Lean Canvas zu skizzieren. Um das von Hamid und Abdellah beschriebene Problem bzw. die Marktlücke zu quantifizieren, erstellten wir eine Umfrage, die wir über den riesigen arabischen Freundeskreis der beiden auf Facebook teilten. Innerhalb weniger Stunden konnten wir so auf ein Feedback der Zielgruppe zugreifen, welches unsere Annahmen größtenteils validieren konnte: Ein Gefühl der Sicherheit hat die oberste Priorität, außerdem ist Istanbul das Top-Reiseziel der arabischen Welt.

Das Geschäftsmodell des Reiseangebots konnten wir im Anschluss durch die intensive Zusammenarbeit mit Mentor Burak Sarizi (Gründer von Cepstop) noch einmal entscheidend verfeinern. Burak ist ein Meister im Bereich User Experience und es war faszinierend, gemeinsam mit ihm den USP und eine abgestimmte Kommunikationsstrategie zu erarbeiten. Wir entwickelten ein Kommunikationskonzept, welches maßgeblich das Teilen emotionaler Reisevideos und -fotos sowie User Stories über Instagram, Facebook und YouTube beinhaltet. Außerdem spielten wir durch, wie der Buchungsprozess auf der Webseite ablaufen muss, um die Zielgruppe zu einem schnellen Kauf der Reisepakete zu animieren.

Mentoring Startup Weekend MENA

Mentoren im Einsatz: Gründer Burak Sarizi (ganz links) gibt wertvolles Feedback

 

Mentoring Startup Weekend MENA 2

Am Freitagabend ging es dann auf die Bühne für die finalen Pitches vor Jury und Publikum. Auch wenn unsere Präsentation in der Kürze der Zeit nicht perfekt ausgearbeitet war, haben wir die Jury mit unserem Geschäftsmodell überzeugen können und den ersten Platz belegt. Ein tolles Ergebnis! Die Juroren sahen hier einen Markt, für den es bislang kein passendes Angebot gibt.

Nach dem Finale hatten dann noch die Techstars-Vertreter ihren Auftritt. Brett Nakatsu stellte die Organisation vor und stand bei der anschließenden Unkonferenz Startup-Interessierten Rede und Antwort zu verschiedenen Gründungsthemen. Im Anschluss hat die Woche durch die Startup-Konferenz Startup Istanbul einen ehrwürdigen Abschluss gefunden. Das viertägige Event wartete mit hochkarätigen Speakern wie Steve Blank auf, einem der wichtigsten Lean Startup-Vertreter. Mit einer Teilnahme hat es für mich aus zeitlichen Gründen leider nicht mehr geklappt.

Brett Nakatsu Techstars

Brett Nakatsu (Techstars)

Panel Startup Weekend MENA

Panel bei der anschließenden Unkonferenz

Das Startup Weekend MENA war eine spektakuläre Erfahrung. Der Fokus auf die MENA-Region hat mir ermöglicht, einen Einblick in die arabische und türkische Startup-Welt zu erhalten. Die Märkte bieten ein hohes Potenzial, da die Marktsättigung noch nicht so weit vorangeschritten ist wie beispielsweise in Europa oder den USA. Vor allem in der arabischen Welt hat die junge Entrepreneurship-Entwicklung erst vor kurzem angefangen Fahrt aufzunehmen. Umso spannender ist es, einen Eindruck zu bekommen, welche Probleme zukünftig durch die Entwicklung cleverer Geschäftsideen von Startups gelöst werden können.

Vielen Dank an die Organisatoren des Startup Weekend MENA, allen voran Patrick Bosteels, und an das gesamte Team von „Rehla“. Es war eine grandiose Erfahrung mit Euch zusammenzuarbeiten! Hamid und Abdellah werden die Geschäftsidee weiter vorantreiben. Ich wünsche beiden viel Erfolg und hoffe, bald wieder etwas von „Rehla“ zu hören.

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